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Am Himmel ist die Hölle los....

von Sabine K.

...stand auf der Tafel an der Anmeldung. Ein Event, auf das ich  schon seit Monaten hin fieberte. Nur ganz leise Bedenken: Würde diese Tour an die von 2013 auch nur ansatzweise heranreichen? ...

...

Eine lange Nacht auf einem Berggipfel, unbequem in einem Schlafsack, der sich ständig um einen herumdreht, so dass man sich fühlt, wie eine Wurst in der Pelle. Belohnt durch eine fantastische Aussicht auf einen Sternenhimmel, den man sonst nicht zu sehen bekommt durch ständige, allerörtliche Lichtverschmutzung, mit dem Sahnehäubchen schlechthin: Unzählige Sternschnuppen bekommt man von Laurentius in der Nacht 12./13. August beschert.

Das große Aber: Man muss auf diesen Berg erst einmal hinaufkommen....Und das mit einer Kondition, die sich in meinem Fall Richtung Null bewegt, da Sport im vergangenem Jahr ein Fremdwort war. Egal, irgendwie komm ich da schon rauf, und oben hat man dann ja genug Zeit zum Regenerieren. Mein Vorteil: Martin wurde von der 10jährigen Anna begleitet, die ihre erste Bergtour bewältigte und mit ihren kurzen Beinen natürlich Hansis Affenzahn nicht mithalten konnte. Mit der Ausrede, Motivationshelfer zu spielen, half mir das reduzierte Tempo deutlich und erst als das Gipfelkreuz schon beinahe zum Greifen nah war, fiel ich in mein altes Tempo und kam wie eine Dampfwalze keuchend oben an. Blick auf den Faaker See, die Julischen Alpen, Dobratsch, Mittagskogel und Triglav, und man vergisst sämtliche schmerzenden Muskeln!

Plötzlich ein großes Staunen: Jan fand im Gebüsch mehrere Paletten (!) Bierdosen, jeglicher Mangel an Getränken war hiermit ausgeschlossen. Dass er im Ausgleich dafür seine Simkarte in den Brennnesseln verlor, war weniger lustig.

Der nächste Programmpunkt für die 15 Tourteilnehmer: Quartierbeziehen, also einen Schlafplatz finden, der 1. möglichst eben 2. möglichst steinlos und 3. möglichst windgeschützt ist.

Da Hansi seinen Schlafsack bereits ausgebreitet hatte, lag es nahe, diesen Platz näher zu inspizieren, da die Erfahrung einen lehrt: Dieser Mann hat einen Blick für gute Plätze! Also richteten wir uns zu 5 ( Martin, Anna, Ronja, Sabine und Hansi) in einer Mulde ein. Ziemlich schnell stellten wir alle allerdings einen deutlichen Nachteil fest: auf dem glatten Gras fuhr man regelrecht Schlitten und so musste man in der Nacht ständig wieder nach oben krabbeln um wenigstens halbwegs in der Nähe seines Rucksacks bleiben! Basti ging sogar soweit, sich an einer Wurzel mit einem Seil festzubinden!

So langsam wanderte die Sonne hinter die Berge und bot den Fotografen unter uns herrliche Motive.

Kaum war es leicht dunkel, funkelten die ersten Sterne und völlig überraschend rauschte die erste Sternschnuppe den noch gar nicht ganz dunklen Himmel hinab. „1:1"stellte Hansi schmunzelnd fest, und eine Wiederholung des Wettstreits von 2013 bahnte sich an.

Während es immer dunkler wurde, sahen wir immer wieder mehr oder weniger spektakuläre Lichterscheinungen, und noch bevor die Milchstraße sichtbar war, waren wir zweistellig. Auch der Lärmpegel war auf dem Berg beachtlich. Rechnet man mit Totenstille dort oben, befindet man sich eindeutig im Irrtum. Die Flugzeuge dröhnen nachts erstaunlich laut, Kuhglocken bimmelten unentwegt und die Krönung war ein Semino-Rossi-Konzert auf der Burgarena Finkenstein, das wir völlig kostenlos, dafür unfreiwillig genießen durften. Bei Hansi machte sich allerdings die Bierprobe vom Abend zuvor bemerkbar, und so drehte er sich auf die Seite, genoss die Aussicht auf Villach- und nickte weg. Ich zählte noch ein paar Minuten weiter, aber ohne Gegner war der Reiz nur halb so groß und außerdem blieben die richtig sehenswerten  aus!

Da aber an Tiefschlaf sowieso nicht wirklich zu denken war, gab ich den Versuch, zu schlafen recht schnell auf, nur um festzustellen, dass ein ebenbürtiger Gegner einige Meter weiter auf einer Luftmatratze lag und nur ein Ziel hatte: Meinen „Rekord" von vor 2 Jahren zu brechen. Auch Ronja zählte mit, Martin drehte sich auch so oft um, dass man annehmen musste, er kann auch nicht schlafen. So vergingen die Stunden, Jan immer ca 20 Stück voraus, kaum eine Chance, ihn wieder einzuholen.

Nur Hansi schlief den Schlaf des Gerechten, nutzte gelegentliche Wachperioden, in denen er sich über den aktuellen Zwischenstand informierte.

Ronja gab bei 44 auf und so langsam kehrte wirklich Ruhe ein im Biwak. Eine Zeitlang war ich ernsthaft um Schlaf bemüht, bis meine Tochter wieder erwachte und das vorher genossene Radler loswerden musste. Da ich auch seit einiger Zeit meine Blase krampfhaft versuchte zu ignorieren, beschloss ich dem Klischee Genüge zu tun und mit ihr gemeinsam aufs „Klo" zu gehen. Vorsichtig tasteten wir uns Richtung Kieferndickicht vor, immer in dem Bewusstsein, dass es rechts einige hundert Meter runter geht!

Wieder zurück krabbelte ich erleichtert in den Schlafsack zurück, jetzt allerdings durchgefroren mit eiskalten Füßen. Mein Nachbar war inzwischen auch erwacht und ernsthaft bemüht, mein Wohlergehen zu verbessern.  Ich kam mir zwar eingequetscht zwischen ihm und Ronja wie eine Ölsardine vor, aber wenigstens wurde ich wärmer und konnte neu motiviert weiterzählen.

Bis er auch in die Büsche musste und es schaffte, Martin zu überreden, mit ihm zu verschwinden. Allerdings dauerte es bei den beiden erheblich länger,  wieder kamen sie erst nämlich 12 Sternschnuppen später. Begeistert erzählte mir Hansi von ihrem kurzem nächtlichen Trip auf den Gipfel! Welch eine tolle Aussicht, tolle Sternschnuppen und ein warmer Wind. Na toll. Und mir fehlte die Wärmflasche von rechts, und ein kalter Zug kam über die Bergkante.

Allerdings hielt mich die Kälte dann wach und ich schaffte nicht nur mein Ziel 100, sondern mit Hansis Hilfe (er war vom Gegner zum Partner mutiert) 124 Stück! An Schlaf war endgültig nicht mehr zu denken; einer unserer Bergpartner schlief lautstark, was in Björn Mordgedanken erweckte, die er morgens als erstes verkündete.  So langsam krabbelten alle aus dem Schlafsack, und der Sonnenaufgang entschädigte endgültig für alle Qualen.

Über den Abstieg schweige ich mich lieber aus, außer dass wir in 1,5 Stunden unten waren und meine Oberschenkel mich 3 Tage lang an dieses mal wieder unvergessliche Erlebnis erinnerten!

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